Gedanken zu Snapchat, Instagram Stories & Co.

Foto: Anne Hufnagl
Foto: Anne Hufnagl

Apps wie Snapchat oder Instagram mit seiner neuen Stories-Funktion, Livestreams & Co. - wir leben in einem Zeitalter flüchtiger Inhalte. Produzierter Content verschwindet nach einer gewissen, vorgegebenen Zeit einfach wieder aus dem Netz, als hätte es ihn nie gegeben (von Nacktbilder-Screenshots und abgefilmten Bildschirmen mal abgesehen). Was bedeutet das für mich als Fotografin, wie gehe ich damit um? Weil mir die Frage doch öfter gestellt wird, habe ich ein paar Gedanken dazu aufgeschrieben.

Verweile doch, du bist so schön!

Wenn wir etwas besonders schön finden, möchten wir es behalten, es erhalten, es an eine Wand hängen, in ein Album kleben, in ein Regal stellen, Artenschutz betreiben oder mindestens eine Inventarnummer vergeben. Wir mögen es, schöne Dinge aufzuheben.

 

Das Konzept von Snapchat & Co. ist so ziemlich das genaue Gegenteil dieser allzu menschlichen Vorliebe des Festhaltens und Aufhebens. Hier verschwindet alles, das Schöne, das Hässliche, das Wahre und das Erfundene binnen einer bestimmten Frist einfach wieder von der Bildfläche. Jede Liebesbotschaft, jeder schlechte Witz, Selfies, das Bild von Opas Katze, alles nur kurz da, wie Opa. Morgen ist es weg. Das befreit, natürlich. Es befreit von allzu viel Gedanken beim Erstellen der Inhalte, denn die Überlegung "Was, wenn es mir in ein paar Tagen nicht mehr gefällt?" erübrigt sich, wenn sowieso alles wieder verschwindet. Ungleich leichtere, weil mit weniger Erwartung belastete Schnipsel von Kunst, Alltag und Gefühl entstehen und werden verbreitet. Das ist schön! Nur festhalten, festhalten kann man sie nicht.

Morla

Ich bin Morla. Wie die uralte Schildkröte in "Die unendliche Geschichte" möchte ich am Liebsten alle Dinge bewahren. Erinnerungen, Bilder. Es gehört zu mir, das zu wollen. In allem, was ich tue, vor allem natürlich in meinen Fotos, spiegelt sich dieser Wunsch. Ich möchte, dass Menschen meine Fotos lange ansehen können, Jahre, Jahrzehnte vielleicht. Vielleicht sogar dann noch, wenn ich schon gar nicht mehr da bin. Meinen Tweets messe ich da nicht ganz so viel Bedeutung zu, aber auch hier finde ich es irgendwie gut, wenn Leute das länger lesen können, so sie denn möchten. Umgekehrt geht es mir auch so, dass ich schöne Bilder und Texte gerne aufhebe. Sie, manchmal nach Monaten oder Jahren erst, wieder hervorhole, um mich erneut daran zu erfreuen.

Zwei Wege

Wie gehe ich nun um mit dieser neuen Kurzlebigkeit und ihren Apps? Die ehrliche Antwort ist: ich halte mich davon fern. Weil mir vergänglicher Content nicht liegt, weil ich so nicht funktioniere. Ich nehme aber mit großem Interesse zur Kenntnis, wie gut andere, oft auch jüngere Menschen damit umgehen können, wie kreativ sie mit diesen neuen Möglichkeiten sind. Letztendlich sind es zwei verschiedene Wege, die man geht, zwei verschiedene Philosophien. Und keine schließt die andere aus oder wird sie ersetzen. Ein Familienfoto wird immer an der Wand hängen, weil es auf Snapchat gar keinen Bestand hätte. Hingegen werden manch andere Geschichten eben nur auf Snapchat oder Instagram erzählt werden, weil sie nur dort funktionieren. Das ist schön, und das kann von mir aus auch gerne, Achtung: so bleiben.

 

Anne

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Anne Hufnagl

Freie Fotografin aus Hamburg.

Meine Leidenschaft ist es, mit meiner Fotografie Geschichten zu erzählen. Sei es, um Ihr Image oder Ihr Unternehmen zu stärken, Ihre Markenbotschaft zu illustrieren oder um private Anlässe und Events in Fotos festzuhalten.